04/24/2018 - Kategorie: Alle / Geburtsbericht

Was Vertrauen bedeutet

Als wir im September 2002 überraschend erfuhren, dass wir ein Baby bekommen war für uns eigentlich sofort klar: Nur mit Inge Gerbig!!
Wir hatten zwar bei der Geburt unserer älteren Tochter Maria gute Erfahrungen mit dem Stadtkrankenhaus Worms gemacht, unser 1. Kind wollten wir auf jeden Fall in einem Krankenhaus zur Welt bringen, dennoch wünschten wir uns für unser 2. Baby eine schönere und entspanntere Umgebung.

Der Hauptgrund allerdings war, dass wir unbedingt Inge Gerbig bei der Geburt dabei haben wollten. Wir kannten sie schon von unserer großen Tochter. Sie war auch hier unsere betreuende Hebamme und stand uns vor und nach der Geburt viele Monate mit Rat und Tat zur Seite. Ihr brachten wir allergrößtes Vertrauen entgegen und wollten uns bei so einem persönlichen und intimen Ereignis wie der Geburt unseres Kindes nicht auf fremdes Personal in einem Krankenhaus einlassen.
Schnell wuchs in uns der Gedanke an eine Hausgeburt. Leider machten wir hier einen großen Fehler. Wir haben nicht sofort mit Inge gesprochen, es erschien uns noch zu früh, sondern wir erzählten es unserer Familie und Freunden. Leider stießen wir meistens auf totales Unverständnis. Alle redeten auf uns ein und manche hielten uns sogar vor, verantwortungslos zu sein. Das hatte natürlich zur Folge, dass wir total verunsichert waren und schon fast entschlossen waren, doch in einem Krankenhaus zu entbinden. Wir wollten schließlich kein Risiko eingehen. Allerdings habe ich großes Glück einen tollen Frauenarzt zu haben. Er bestärkte mich immer wieder in meinem Wunsch nach einer Hausgeburt.
Endlich vereinbarten wir nun auch mit Inge Gerbig einen Termin zur Information über Hausgeburten. Nach diesem vergnüglichen Abend war dann alles klar. Warum haben wir uns nur monatelang allein mit unseren Gedanken und Ängsten herumgequält? Während dieses Gespräches konnten wir auch alle Fragen stellen, die uns so lange beschäftigt hatten. Wir waren jetzt gefestigt in unserem Entschluss unser Baby zu Hause zur Welt zu bringen und wir ließen uns von niemandem mehr beeinflussen.
Wir besorgten alles was auf unserer Liste stand (es waren auch immer Bananen im Haus sie standen ja auf der Liste – obwohl keiner von uns welche isst) und fieberten dem großen Ereignis gespannt entgegen.

Dann war es soweit. Das heißt zuerst war mir gar nicht klar, dass es losgeht. Eigentlich war es nur so ein Gefühl. Von Wehen noch keine Spur. Als mein Mann nach Hause kam drängte er mich bei Inge anzurufen. Mir allerdings erschien das noch zu früh. Ich wollte sie nicht umsonst rufen. Sie versprach später vorbeizukommen, aber wenn ich richtige Wehen bekomme oder mich unsicher fühle soll ich sofort noch mal anrufen.
Mein Mann und ich hatten an diesem Nachmittag viel Spaß, wir machten noch Bilder von meinem Bauch und schauten uns Babybilder unserer großen Tochter an. Wir freuten uns diebisch nicht mit gepackten Koffern auf glühenden Kohlen zu sitzen, sondern einfach abwarten zu können wie es wohl weitergeht.

Ich beschloss mit einem guten Buch in die Badewanne zu steigen ( von starken Wehen noch immer keine Spur )
Aber mit dem was jetzt kam hatte ich nicht gerechnet. Kaum hatte ich mich in das warme Wasser gesetzt überrollten mich die Wehen. Ich dachte es zerreißt mich. Dann platzte mir die Fruchtblase. Ich geriet leicht in Panik und schrie meinen Mann an, sofort Inge anzurufen. Kaum 10 Minuten später stand sie vor meiner Badewanne. Jetzt war alles wieder gut. Mein Mann half mir zusammen mit Inge aus dem Wasser. Eigentlich hatte ich mein Baby ja dort zur Welt bringen wollen. Aber jetzt wollte ich nur noch da raus.
Im Wohnzimmer hatten wir Kerzen und schöne Musik vorbereitet. Aber dahin schaffte ich es nicht mehr.
Zum Glück hatte mein Mann in der Zwischenzeit das Schlafzimmer hergerichtet, denn jetzt ging es Schlag auf Schlag. Die Wehen kamen fast ohne Ruhepausen. Aber Inge und mein Mann gaben mir Kraft und spornten mich an. Nach nur gut einer Stunde war das Wunder vollbracht und unsere kleine Lilly geboren.
Es war wunderschön. Lange lag sie auf meinem Bauch und schaute zufrieden in die Welt. Nachdem mein Mann sie abgenabelt hatte kuschelten wir drei in unserem Bett während Inge uns umsorgte. Kurz darauf kam unsere große Tochter nach Hause. Voller Stolz hielt sie ihre kleine Schwester im Arm. Inge blieb noch lange bei uns. Wir tranken noch ein Gläschen Sekt auf dieses Ereignis und Inge erledigte noch ihren Papierkram.
Auch in den nächsten Tagen war sie für uns eine ganz wichtige Bezugsperson, ja wie ein enges Familienmitglied. Sie ist uns in dieser Zeit sehr ans Herz gewachsen.

Vielen Dank liebe Inge und auch an meinen wunderbaren Mann für diese wundervolle Erfahrung. Mit Euch beiden würde ich noch viele Kinder kriegen.

Petra Kokaris
Mai 2004

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